Michael Picard
langjähriger Top-Personalmanager (OTTO GROUP, Metro Cash & Carry Deutschland, C&A, s.Oliver), Geschäftsführer von Foxtrim, Berater, Speaker, Autor. Er ist einer der Vorreiter des modernen Personalmanagements und der Digitalisierung in HR in Deutschland.

von Michael Picard

Deutschland und Europa am Scheideweg – Teil 3: Wer Leistung fordert, ist verdächtig!

Wir diskutieren, während andere liefern. Haben wir in Deutschland das Leistungsprinzip verlernt?

Es gibt Länder, da fragt man: „Was ist das Ziel?“ Und dann wird losgearbeitet.

Und es gibt Deutschland. Hier fragen wir (zu häufig) zuerst:

  • Wer fühlt sich dabei überfordert?
  • Wer könnte sich benachteiligt fühlen oder benachteiligt sein?
  • Wer müsste zustimmen?
  • Wer müsste beteiligt werden?
  • Wer müsste angehört werden?
  • Wer müsste nochmal darüber sprechen?

Und irgendwann – nach dem dritten Workshop, dem fünften Positionspapier und dem achten Runden Tisch – stellen wir fest:

„Oh. Die anderen sind schon fertig.“

Leistung – ein Wort mit Triggerwarnung

Vom Leistungsprinzip haben wir uns in den letzten Jahren zunehmend verabschiedet in Deutschland.

Wer von Topleistung, Mitarbeiterproduktivität und ähnlichem spricht, wird oftmals gleich verteufelt. Ich durfte das am eigenen Leibe erfahren. Viele Arbeitnehmervertreter schreien auf, wenn ein Unternehmer oder Personalchef mehr Einsatz-, Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft einfordert.

Augen rollen, Stirnfalten entstehen, Empörungsreflexe setzen ein. Ganz schnell ist man beim Ausbeutungsverdacht, bei der sozialen Kälte, bei der angeblichen Rücksichtslosigkeit.

„Leistung“ klingt inzwischen verdächtig. Fast unanständig. Wie ein Relikt aus dunkleren Zeiten.

Während wir in vielen und breit aufgestellten Grüppchen diskutieren, ob, wie, wann und überhaupt wir mal „so langsam wieder in die Pötte kommen sollten“, lachen die Konkurrenten da draußen in der Welt über uns. Nicht aus Arroganz – sie freuen sich einfach über jeden Tag, den wir weiter diskutieren. Das macht es denen noch leichter, uns weiter zu überholen.

Vielgequatsche, unnötig breite Abstimmungen und politisches Possentheater werden weder Deutschland noch Europa auf den starken Platz in der Welt bringen, den es eigentlich verdient und auch erreichen kann.

Der große deutsche Irrtum

Bei uns schwebt im Raum, Leistung könnte Ausbeutung sein. Produktivität könnte unmenschlich sein. Verantwortung könnte unzumutbar sein. Work-Life-Balance war gestern – jetzt ist Life-Work-Balance angesagt.

Das wirkt schon fast selbstzerstörerisch.

Doch bei genauerem Hinsehen war das Leistungsprinzip nie ein Feind. Es war die Grundlage, auf der unser Sozialstaat, unser Wachstum, unser Lebensstandard überhaupt möglich wurde.

Politische und betriebliche Mitbestimmung, breite Beteiligung und Entscheidungsfindung: Das alles sind wichtige Errungenschaften. Doch wenn jede Entscheidung zum Konsens-Marathon wird, Verantwortung verwässert, niemand mehr entscheidet, sondern moderiert, dann entsteht kein Schutz. Dann entsteht Stillstand.

Und Stillstand ist der Luxus von Ländern, die glauben, sie hätten noch Zeit.

Die schockierende Erkenntnis

In Deutschland scheitern wir nicht an fehlender Intelligenz. Nicht an fehlendem Kapital. Nicht an fehlender Technologie.

Wir scheitern an einem Cocktail aus Bürokratie, mangelnder Geschwindigkeit und Innovation, Konsensstreben, übermäßigen Datenschutzängsten und -regelungen…

Vielleicht sollte auch die Work-Life-/Life-Work-Balance für eine gewisse Zeit mal zurückgestellt werden (autsch).

Die Frage ist nicht: „Können wir wieder leistungsfähiger werden?“ Wir haben in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass wir wissen, wie es geht und dass wir es können!

Wir sind nur zwischenzeitlich ein bisschen träge geworden, vielleicht selbstzufrieden und haben uns zu stark in Sicherheit gewogen.

Doch die sicherheitspolitische Lage, die weltpolitische Machtverteilung sowie die unfassbar schnelle und brachiale technologische Entwicklung bringen uns zunehmend mit dem Rücken an die Wand.

Die Frage ist: „Wie können wir unsere großartigen gesellschaftlichen Errungenschaften erhalten und gleichzeitig zu alter Leistungskraft zurückkehren?“

Unsere Wirtschaft, unsere Unternehmen sind das Vehikel. Wir haben da einen starken Motor drin. Wir müssen nur endlich mal wieder Gas geben und ein paar Gänge hochschalten.

Mit einer Politik als Beifahrer, die Möglichkeiten schafft, Vortrieb fordert und Innovation unterstützt – anstatt bürokratische Hemmnisse zu erhalten und zu verwalten. Zeit meines Lebens reden wir von zu viel hinderlicher Bürokratie und dass da unbedingt was geändert werden muss – ein ernsthaftes, groß angelegtes Restrukturierungsprojekt sehe ich dabei bis heute nicht! Wir ersaufen weiterhin in kleinteiligen Gesetzen, Verordnungen, Regeln…

Und dazu kommt eine extrem gefährliche Sprengladung: Wir erleben gerade das größte Update der Arbeitswelt aller Zeiten. KI und humanoide Robotik werden alles bisher Dagewesene auf den Kopf stellen. Die Welle rollt bereits. Andere Länder hängen uns ab.

Unternehmen, die diese Entwicklung verpassen, werden ums Überleben kämpfen. Doch Unternehmer können diese Welle reiten und helfen, Deutschland wieder stark zu machen – wenn sie sich rechtzeitig vorbereiten. Nach Spitzenleistungen zu streben, gehört dazu.

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