Michael Picard
langjähriger Top-Personalmanager (OTTO GROUP, Metro Cash & Carry Deutschland, C&A, s.Oliver), Geschäftsführer von Foxtrim, Berater, Speaker, Autor. Er ist einer der Vorreiter des modernen Personalmanagements und der Digitalisierung in HR in Deutschland.

von Michael Picard

Wie Das größte Update der Arbeitswelt – und warum die meisten Firmen es unterschätzen

Wir erleben es gerade. Schleichend. Ohne großen Knall.
Viele Unternehmen glauben noch immer, sie hätten Zeit. Die Zahlen stimmen ja noch.
Doch diese Ruhe ist trügerisch. Denn die Welle rollt bereits.

Phase 1: KI verändert Arbeit – schneller, als die meisten begreifen
In dieser Phase sind schon viele Unternehmen. Es erfolgt zunehmend eine breite KI- und GPT-Nutzung, um die Produktivität zu steigern.
40–70 % aller Tätigkeiten werden sich verändern.

Aber: 90 % der Leute haben noch gar nicht verstanden, was heute schon möglich ist – und wie schnell es eskaliert.
Jobs fallen weg. Unsicherheit und Ängste entstehen.
Die Herausforderung für HR? Nicht nur Prozesse begleiten – sondern Emotionen, Ängste und Orientierung managen.

Phase 2: Humanoide Roboter kommen – der Druck steigt massiv
Es ist keine Science-Fiction mehr. Humanoide Roboter ziehen in Unternehmen ein – in großer Zahl.
Schätzungen sprechen von 20–40 Mio. bis 2030, 1 Mrd. bis 2040. Wachstum exponentiell.

Weitere Jobs verschwinden. Weniger Manager werden gebraucht.
Die Organisation wird schneller, billiger, effizienter.
HR muss nicht nur Ängste moderieren, sondern den Übergang ins Mensch–Maschine-Zeitalter aktiv gestalten.

Phase 3: Menschliche und humanoide Workforce verschmelzen
Das System kippt. Menschen und Roboter arbeiten Seite an Seite.
„Spielregeln“?
Humanoide brauchen kein Gehalt, kein Lob, kein Coaching, keinen Schlaf.
Arbeiten 3–4 Schichten. Werden ständig besser und günstiger.
Ihre Namen harmlos: Apollo. Optimus. Figure. Iggy Rob.

Der Anteil menschlicher Mitarbeitender kann unter 50 % fallen. Viele der Freigesetzten werden in dieser neuen Welt keinen Job mehr finden.
Das ist kein Technologieproblem. Es ist ein gesellschaftliches, kulturelles, menschliches Problem.

Phase 4: KI und Robotik übernehmen – weil niemand mehr weiß, wofür Menschen gebraucht werden
Organisationen verlieren ihr menschliches Rückgrat.
Nicht, weil KI böse ist. Sondern weil Unternehmen Arbeit wie Maschinen organisiert haben – und sich nun wundern, dass Maschinen sie besser betreiben.
Die Gesellschaft sucht nach neuem Sinn. Unternehmen nach neuer Identität.

Die zentrale Erkenntnis
Es wird keinen großen Knall geben. Keinen Tag X. Nur ein langsames Überholen.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob das kommt.
Sondern: Sind wir vorbereitet – oder werden wir überrollt?

Warum HR jetzt im Zentrum steht
KI und Robotik sind keine IT-Themen.
Sie sind Kultur-, Führungs- und Transformationsfragen.
Das Machtzentrum verschiebt sich: Weg von IT. Hin zu HR.
HR muss Technologie, Mensch und Kultur verbinden.
„Die Zukunft wird nicht verwaltet. Sie wird geführt.“

In welcher Phase steckt Ihr Unternehmen?
Und wer übernimmt die Führung durch diese Phasen?

Die Welle lässt sich nicht aufhalten.
Aber man kann rechtzeitig handeln, sie zu reiten.

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